Früher hatte dieser Blog ja mal den Untertitel “Technologie und ihre Folgen”. In diesem Sinne erlaube ich mir mal zur Abwechslung ein Buch vorzustellen, dass mir zum Jahreswechsel zwischen die Finger und unter die Augen gekommen ist.
Es handelt sich um das Buch “Payback” von Frank Schirrmacher. Erschienen im Karl Blessing Verlag (16. November 2009).
Der Autor beschäftigt sich darin vorrangig mit der Frage, welche Auswirkungen die IT-Entwicklungen der letzten Jahre, insbesondere Vernetzung, WWW und Google, auf uns als Menschen haben. Dabei legt der Autor großen Wert darauf, dass er kein grundsätzlicher Technologieskeptiker ist, der alle neuen Entwicklungen grundsätzlich ablehnt. Es geht auch nicht um Ablehnung, sondern vielmehr um kritische Beobachtung der Dinge, die um uns herum passieren und denen wir nicht entkommen können.
Warum ist dieses Buch nun etwas für diesen Blog? Wie der Autor ganz richtig bemerkt sind wir, die Softwareentwickler und Architekten, diejenigen, die mehr als jeder Andere Einfluss haben auf die Gestaltung unserer Welt. Hört sich massiv an, aber ist es nicht so? Wir sind die paar Prozent der Gesellschaft, die einerseits die technischen Rahmenbedinungen des WWW überhaupt verstehen aber auch ausbauen können. Also kann es ja nicht schaden, intelligente Gedanken zu diesem Thema zu hören und zu reflektieren.
Intelligente Gedanken sind ein gutes Stichwort: Das Buch ist definitiv nix für die intellektuelle Unterschicht. Bei amazon findet man Kommentare, dass der Autor zu viel schwallert und wichtigtuerisch fehlerhafte Thesen aufstellt. Der Sprachstil ist gepflegt gehoben und der Mann schreibt eben, wie ein Germanist schreibt. Aber man muss sagen: für einen Germanisten hat er erstaunlich viel verstanden.
Seine Beobachtungen von Rahmenbedingungen und Zusammenhängen finde ich recht interessant, auch wenn die eine oder andere Schlussfolgerung sicher in Frage zu stellen ist. Insbesondere zum Ende hin erwartet der Leser eine Art Lösungsvorschlag zu den angesprochenen Themen, der aber deutlich schwammiger (und rein von der Anzahl der Seiten im Buch kleiner) ausfällt, als die Feststellung der Ist-Situation. Somit bleibt ein etwas schaler Nachgeschmack, zumindest für mich als lösungsorientierten Menschen.
Unterm Strich möchte ich dieses Buch dennoch jedem empfehlen, der mal eine andere Sichtweise auf unsere tägliche Arbeit und unsere Welt gewinnen möchte. Ich habe viele bekannte Aspekte in dem Buch wiedergefunden und hatte Spaß an einem teils kritischen, teils interessanten und teils philosophischen Ausflug. Wie gesagt: für einen Germanisten hat er eine Menge verstanden.