Wir haben lange verschiedene Formen des Projektmanagements für unsere Softwareprojekte ausprobiert. Erst mit SCRUM habe ich das Gefühl, die Kontrolle über unsere Softwareprojekte zurückbekommen zu haben.
Gleichzeit entspricht SCRUM genau dem, was wir eigentlich immer von allen Kollegen erwartet haben: eigenständige und verantwortungsvolle Softwareentwicklung. Allerdings lernen wir, die wir uns immer in der Verantwortung für die Ergebnisse und die Steuerung der Projekte sehen, jeden Tag dazu. Z.B. wie ein kleiner ungeschickt formulierter Kommentar des “Chefs” bei Mitarbeitern schnell zu Misverständnissen führen kann. Wenn man nicht aufpasst bauen sich Blockaden in der Kommunikation auf und die Situation wird schwieriger – zwischenmenschlich und im Projekt. Die “Chefs” können eben nicht immer in die Köpfe der Mitarbeiter schauen – und andersrum geht es auch nicht.
Was das mit SCRUM zu tun hat? Zum einen gibt es im SCRUM das Regelwerk zur Durchführung von Projekten, inkl. Sprints, Rollenverteilung, Meetingzyklen usw. – dazu wurde schon viel Literatur verfasst.
Zum anderen ist SCRUM eine Frage der Arbeitskultur. Und dies ist wohl der Punkt, an dem sich das Gelingen oder Mislingen eines jeden Projektprozesses entscheidet!
Was ich meine ist: die reine Einführung des SCRUM Regelwerkes wird nicht funktionieren, wenn es nicht von ALLEN Beteiligten in gleichem Maße gewünscht ist. Jeder muss es wollen und auch unterstützen – Product Owner, Scrum Master und auch das Team! Manchmal habe ich in Gesprächen den Eindruck, dass der Wille zum SCRUM Prozess hauptsächlich bei den sog. Projektmanagern liegt. Ist ja auch klar, da diese den stärksten Wunsch haben, irgendwie das Projekt unter “Kontrolle” bringen zu können. Wenn der Wille aber nicht gleichermaßen auch z.B. beim Team vorhanden ist, dann hat der Projektmanager nur die Möglichkeit, den Prozess über Druck auf die Mitarbeiter durchzusetzen. Und damit wäre er dann schon direkt kontraproduktiv, da der Druck früher oder später die Eigenständigkeit des Teams erstickt und eben diese im SCRUM erwünscht ist.
Ich habe mit Absicht Projektmanager geschrieben, nicht SCRUM Master, denn wie wir alle wissen, ist der SCRUM Master kein verantwortlicher Manager. Und das ist genau der Punkt: unterschiedliche Arbeits- und Denkkultur. Wir versuchen zwar das Neue (SCRUM) umzusetzen, im Zweifelsfall verfallen wir aber immer wieder in alte Ansichten (Projektmanager, Gannt-Charts).
Es ist wichtig, dass sich jeder Einzelne für seine Verantwortung in einem SCRUM Prozess bewusst ist. Diese Verantwortung ist der Preis für einen hohen Grad an Eigenständigkeit und viele Rechte, die der Einzelne sonst nicht hätte. Mit diesen Rechten und Pflichten sollte sich jeder Beteiligte identifizieren – und dann damit auch umzugehen wissen. Jeder, der sich damit nicht auseinandersetzt und somit (beabsichtigt oder nicht) Rechte und Pflichten verletzt, sorgt auf seine Art für eine Destabilisierung des Prozesses.
Mein Fazit: SCRUM funktioniert, wenn ALLE Beteiligten es auch wirklich unterstützen. Der “Aufwand” lohnt sich!
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