Mit ‘Java’ getaggte Artikel

Ich weiß nicht, ob ihr schon wusstet…

Freitag, 11. Dezember 2009

aber ich bin neulich über eine Sache gestolpert, die mir so nicht bewusst war:

Was passiert wohl beim Ausführen des folgenden Java-Codes?

List<Integer> list = Arrays.asList(1, 2, 3, 4, 5);
List<Integer> list2 = Arrays.asList(8, 9, 10);
 
list.remove(0);
list.add(2);
list.addAll(list2);

Na wisst ihr es? Man bekommt eine UnsupportedOperationException. Und zwar für jede der list manipulierenden Methoden. Seltsam oder vielleicht doch nicht? Ich für meinen Teil war überrascht. Und auch die Java-Doc für Arrays.asList half mir auf dem ersten Blick nicht sofort weiter:

    /**
     * Returns a fixed-size list backed by the specified array.  (Changes to
     * the returned list "write through" to the array.)  This method acts
     * as bridge between array-based and collection-based APIs, in
     * combination with {@link Collection#toArray}.  The returned list is
     * serializable and implements {@link RandomAccess}.
     *
     * This method also provides a convenient way to create a fixed-size
     * list initialized to contain several elements:
     * 
     *     List<String>; stooges = Arrays.asList("Larry", "Moe", "Curly");
     * 
     *
     * @param a the array by which the list will be backed
     * @return a list view of the specified array
     */
    public static <T> List<T> asList(T... a) {...}

Doch beim genaueren Hinsehen bzw. Überlegen wird es klarer: fixed-size list, a list view of the specified array sowie der Methodenname asList sagen aus, dass es sich nur um eine Ansicht des Arrays bzw. der Eingaben handelt. Die Arrays-Klasse benutzt nämlich unter der Haube die eigene Implementierung java.utils.Arrays.ArrayList und diese implementiert weder add noch remove aus dem List-Interface. Hmm… Irgendwie schon blöd, denn es gibt weder Arrays.toList, noch bietet etwa die konkrete Implementierung ArrayList den komfortablen Var-Args Parameter im Konstruktor. Zudem hätte ich mir eine eindeutigere Dokumentation gewünscht, die ausdrücklich darauf hinweist, dass das Hinzufügen bzw. Entfernen nicht möglich ist.

Möchte man nun trotzdem nicht auf den syntaktischen Zucker verzichten, hilft ein kleiner – zugegebenermasen unperformanter – Workaround:

List<Integer> list = new ArrayList<Integer>(Arrays.asList(1, 2, 3, 4, 5));

Und, habt ihr es gewusst?


Christian Schätzlein


XStream: Object -> XML -> Object

Donnerstag, 19. November 2009

Mit der Bibliothek XStream lassen sich auf einfache Weise Java Objekte in XML zu serialisieren und wieder zurück.
Das kann z.B. dazu dienen, Datensätze als Textdatei abzuspeichern oder XML für Unit-Tests zu erzeugen.
Vorteile von XStream sind die sehr einfache Anwendung und die gute Performance. Neuere Versionen von XStream bieten zudem die Möglichkeit auch JSON zu erzeugen oder die Integration in andere XML APIs.

Nun ein paar Beispiele zur Verwendung von XStream.

XStream verwendet per default die Pull-Parser Implementierung XPP3. Das entsprechende JAR muss hierzu separat heruntergeladen und im Classpath hinzugefügt werden. (Die XPP3 Implementierung am Besten über eine Suchmaschine im Internet suchen.)

Anmerkung:
Wir verwenden hier Aliase für Klassennamen. Das hat den Vorteil, dass das XML lesbarer wird und vor allem eine Deserialisierung auch nach einem Umbenennen oder Verschieben der Klasse funktioniert.

Objekt nach XML serialisieren

  final XStream xstream = new XStream();
  // set alias for the MyData class 
  xstream.alias("my-data", MyData.class);
  // MyData myData = new MyData(....);
  final String xml = xstream.toXML(myData);

Objekt aus XML deserialisieren

  final XStream xstream = new XStream();
  // set alias for the MyData class 
  xstream.alias("my-data", MyData.class);
  // String xml = 
  MyData myData = (MyData) xstream.fromXML(xml);

Interaktion mit dom4J

Mit XStream lassen sich auch Objekte in ein bestehendes XML Document einfügen. In diesem Beispiel wird ein dom4j Element ermittelt und an die Methode addToElement() übergeben, welche das Objekt myData in das Element serialisiert:

  public void addToElement(final MyData myData, final org.dom4j.Element element) {
    final XStream xstream = new XStream();
    xstream.alias("my-data", MyData.class);
    // create new com.thoughtworks.xstream.io.xml.Dom4JWriter
    final Dom4JWriter writer = new Dom4JWriter(element);
    xstream.marshal(myData, writer);
    writer.close();
  }

Natürlich ist der Weg zurück zum Objekt aus dem XML genauso einfach:

  public MyData getFromElement(final org.dom4j.Element element) {
    final XStream xstream = new XStream();
    xstream.alias("my-data", MyData.class);
    final Dom4JReader reader = new Dom4JReader(element);
    return (MyData) xstream.unmarshal(reader);
  }

Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren und Anwenden.


Christof Aenderl


Dependency Injection und aspektorientierte Programmierung mit Google Guice (Teil 2)

Freitag, 25. September 2009

Nachem ich im ersten Teil eine kurze Einführung in die Verwendung von Dependency Injection mit Guice gegeben habe, möchte ich im Folgenden zeigen, wie man aspektorientierte Programmierung (AOP) mit Guice einsetzen kann. Auch hier genügt die Kenntnis einiger weniger Klassen und Interfaces um zum Ziel zu gelangen.

Einführung in AOP mit Guice

Grundidee von AOP ist, bestimmte übergreifende Aspekte einer Anwendung (sogenannte Cross-Cutting Concerns) aus den einzelnen Methoden auszugliedern, um so den Code lesbarer zu machen und Wiederholungen zu vermeiden. Beispiele für solche Cross-Cutting Concerns sind zum Beispiel das Logging von Methodenaufrufen oder die Prüfung von erforderlichen Berechtigungen. Diese Aspekte sind zwar notwendig, tragen aber nicht zum Erfüllen der eigentlichen Aufgabe der jeweiligen Methode bei und sollten im Sinne von Separation of Concerns nicht vom eigentlichen Geschehen in der Methode ablenken und daher ausgegliedert werden.

In Google Guice kann die Ausgliederung solcher Belange durch Method Interception umgesetzt werden. Das Prinzip ist folgendes: Methodenaufrufe werden zur Laufzeit abgefangen, untersucht und gegebenenfalls wird ihnen der Code des passenden Aspekts vor- bzw. nachgeschaltet. Was zunächst vielleicht kompliziert klingt, läßt sich mit Guice sehr einfach umsetzen:

  • Um festzustellen, ob einem Methodenaufruf ein bestimmter Aspekt vorangestellt bzw. angehängt wird, gibt es in Guice sogenannte Matcher. Das Interface Matcher sieht eine Methode matches vor, die als Parameter ein Objekt vom Typ T erhält und für dieses entscheidet, ob es von diesem Matcher akzeptiert wird oder nicht. Matcher erzeugt man am einfachsten über die Factory-Klasse Matchers.
  • Für die Logik des auszugliedernden Aspekts implementiert man das Interface MethodInterceptor. In dessen invoke-Methode kann man dann festlegen, was vor bzw. nach dem Aufruf der Methode geschehen soll.
  • Die im ersten Teil vorgestellte Klasse AbstractModule bietet dann die Möglichkeit, den Interceptor einzubinden. Hierfür verwendet man die Methode bindInterceptor. Diese erhält zwei Matcher und eine beliebige Anzahl von einzubindenden Method Interceptors. Der erste Matcher legt fest, welche Klassen betroffen sind, der zweite Matcher legt die betroffenen Methoden fest.

Beispiel

Das ganze soll nun anhand des Loggings von Methodenaufrufen und Rückgabewerten veranschaulicht werden. Für einfachere Fehlersuche werden Methoden häufig wie folgt “verziert”:

public Integer eineMethode (final Integer arg1, final Integer arg2) {
  if (LOGGER.isDebugEnabled() {
    LOGGER.debug("Aufruf von eineMethode mit Parametern " + arg1 + " " + arg2);
  }
 
  // (...) hier steht der eigentlich relevante Code der Methode
 
  if (LOGGER.isDebugEnabled() {
    LOGGER.debug("Methode eineMethode beendet. Ergebnis: " + returnValue );
  }
}

Dieser Code für das Logging wiederholt sich häufig und bläht die Methoden unnötig auf. Um diese Wiederholungen zu vermeiden und den Code übersichtlicher zu gestalten soll dieses Logging nun ausgegliedert werden.

  • Wir schreiben zunächst eine Klasse MethodCallLogger, die MethodInterceptor implementiert:
    package util.logging;
     
    import java.lang.reflect.Method;
    import java.util.Arrays;
     
    import org.aopalliance.intercept.MethodInterceptor;
    import org.aopalliance.intercept.MethodInvocation;
     
    public class MethodCallLogger implements MethodInterceptor {
     
      @Override
      public Object invoke(final MethodInvocation call) throws Throwable {
        // vor dem Aufruf: Parameter loggen
        Method method = call.getMethod();
        Object[] args = call.getArguments();
        StringBuilder loggingMessageBuilder = new StringBuilder();
        loggingMessageBuilder.append("Aufruf von ");
        loggingMessageBuilder.append(method.getName());
        loggingMessageBuilder.append(" mit Parametern ");
        loggingMessageBuilder.append(Arrays.deepToString(args));
        System.out.println(loggingMessageBuilder.toString());
        // eigentlichen Aufruf durchführen
        Object result = call.proceed();
        // nach dem Aufruf: Ergebnis loggen
        loggingMessageBuilder = new StringBuilder();
        loggingMessageBuilder.append(method.getName());
        loggingMessageBuilder.append(" beendet. Ergebnis ");
        loggingMessageBuilder.append( result.toString());
        System.out.println(loggingMessageBuilder.toString());
        return result;
      }
    }
  • In unserem Modul legen wir nun fest, an welche Klassen und Methoden wir den Interceptor binden. Wir machen es uns einfach und verwenden für beide Matcher Matchers.any():
    package aop;
     
    import util.logging.MethodCallLogger;
    import com.google.inject.AbstractModule;
    import com.google.inject.matcher.Matchers;
     
    public class AOPModule extends AbstractModule {
      @Override
      protected void configure() {
        bindInterceptor(Matchers.any(), Matchers.any(), new MethodCallLogger());
      }
    }

Das war alles: Die Methoden aller Klassen, die wir mit Hilfe unseres AOPModule instanzieren, werden nun automatisch von unserem MethodCallLogger umschlossen.

Man kann das Verfahren natürlich weiter verfeinern. Beispielsweise könnte man eine Annotation @MethodCallLogging schreiben, mit der man dann manuell festlegt, welche Methodenaufrufe geloggt werden sollen. Diese Annotation kann dann mit einem passenden Matcher abgefragt werden, den man mittels Matchers.annotatedWith() erhält.

Weitere Informationen findet man auf der Projektseite und in den JavaDocs.

Viel Spaß beim Ausprobieren!


Malte Wulf


Dependency Injection und aspektorientierte Programmierung mit Google Guice (Teil 1)

Montag, 07. September 2009

Bei den Stichworten aspektorientierte Programmierung (AOP) und Dependency Injection (DI) fällt dem informierten Entwickler natürlich sofort das Spring Framework ein. Weitaus weniger bekannt dürfte den meisten das Guice Framework von Google sein, welches diese Techniken ebenfalls zur Verfügung stellt und mittlerweile in Version 2.0 vorliegt. Während es in Googles eigenen Anwendungen intensiv genutzt wird, ist seine Verbreitung insgesamt noch eher gering.

Vergleich mit Spring

Aufgrund zahlreicher Unterschiede dürfte sich das Framework aber in einigen Fällen als interessante Alternative zu Spring erweisen. Zum Beispiel geschieht das Wiring der Typen mit ihren konkreten Implementierungen nicht wie in Spring über eine XML-Konfiguration, sondern wird direkt über Java-Code mit Annotationen realisiert. Dadurch läßt es sich auch ohne spezielle IDE-Plugins einfach im Java-Editor schreiben. Das ganze hat allerdings den nicht zu unterschätzenden Nachteil, dass eine Änderung am Wiring ein erneutes Compilieren erfordert und dass Guice auch fester im eigentlichen Code verankert wird als dies beim Spring Framework der Fall ist – dies macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man in einem laufenden Projekt von Guice auf ein anderes Framework wechseln möchte.
Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt im Umfang der Frameworks. Guice ist recht deutlich auf die Techniken AOP und DI reduziert, während Spring als “Schweizer Taschenmesser” unter den Frameworks betrachtet werden kann, das nahezu alle Entwicklerbedürfnisse abdeckt. Je nach Situation kann dies als Segen oder Last empfunden werden – der schnellere und wohl auch einfachere Einstieg ist meines Erachtens aber mit Guice möglich. Beim Thema “einfacher Einstieg” sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass es über Spring nicht zuletzt aufgrund der hohen Bekanntheit und Verbreitung zahlreiche Bücher, Artikel und Tutorials gibt, während man bei Guice deutlich weniger Quellen zur Auswahl hat.

Einführung in Dependency Injection mit Guice

Zunächst  möchte ich einen Überblick über die für Dependency Injection benötigten Bestandteile des Frameworks geben:

  • Mit der @Inject Annotation werden Members einer Klasse annotiert, in die von Guice – genau gesagt vom Injector – Werte injiziert werden sollen. Dies können beispielsweise Felder oder Konstruktoren sein. Bei Konstruktoren ist zu beachten, dass höchstens ein Konstruktor derart annotiert werden darf. Ist kein Konstruktor mit @Inject markiert, so verwendet Guice den Standardkonstruktor um Objekte der Klasse zu erzeugen.
  • Ein Injector wird verwendet, um Objekte zu erzeugen. Für die Erzeugung von Objekten bietet das Injector-Interface die Methode getInstance an, die als Argument die gewünschte Klasse erhält und dann ein passendes Objekt zurückliefert. Den Injector selbst erhält man über den Aufruf der createInjector-Methode der Klasse Guice. Diese erhält als Argument ein oder mehr Module-Objekte, in denen das Wiring definiert ist.
  • Die Module-Objekte enthalten das Wiring in Form sogenannter Bindings. Mit Bindings werden also Typen auf konkrete Implementierungen abgebildet. Am einfachsten läßt sich ein Module schreiben, indem man von der Klasse AbstractModule ableitet und deren configure-Methode überschreibt. In der configure-Methode wird z.B. mit der Zeile
    bind( KlasseA.class ).to ( KlasseB.class );

    festgelegt, dass durch Guice überall dort, wo der Injector ein Objekt vom Typ KlasseA benötigt, tatsächlich ein KlasseB-Objekt eingesetzt werden soll.

Beispiel

Angenommen wir haben ein Interface BeispielInterface und eine Klasse KomplexesObjekt, die dieses implementiert. Zum Testen wollen wir statt KomplexesObjekt aber lieber ein Objekt der Klasse MockObjekt verwenden, die ebenfalls das BeispielInterface implementiert. Mit Guice läßt sich dies wie folgt umsetzen:

  1. Die Konstruktoren von KomplexesObjekt und MockObjekt werden ggf. mit @Inject annotiert.
  2. Module für das Wiring im Produktiv- bzw. Testeinsatz werden geschrieben. Das Test-Module könnte z.B. so aussehen:
    import beispiel.BeispielInterface;
    import com.google.inject.AbstractModule;
     
    /**
     * Module für den Einsatz des MockObjekts
     */
    public class MockModule extends AbstractModule {
        @Override
        protected void configure() {
            bind(BeispielInterface.class).to(MockObjekt.class);
        }
    }
  3. Die Objekte werden durch den Injector erzeugt:
    BeispielInterface beispielObjekt;
    Injector testInjector = Guice.createInjector(new MockModule());
    beispielObjekt = testInjector.getInstance(BeispielInterface.class);

Mehr ist für dieses einfache Beispiel nicht zu tun. So unkompliziert kann Dependency Injection sein. Natürlich bietet auch Guice noch eine Fülle weiterer Möglichkeiten an. Weitere Informationen findet man hauptsächlich auf der Projektseite .

Im nächsten Teil werde ich dann einen kurzen Blick auf AOP mit Guice wagen.
Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Ausprobieren!


Malte Wulf